Unter den Straßen unserer Stadt liegen Tausende von Jahren Geschichte verborgen. Und obwohl wir alle wissen, dass es sie gibt, werden wir Normalsterblichen nur selten eingeladen, einen Blick darauf zu werfen, oder? Doch in nicht allzu ferner Zukunft soll ein geheimes Netz unterirdischer Tunnel zum ersten Mal seit 70 Jahren wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, und zwar in Form eines glänzenden neuen Touristenziels.
Bei den Tunneln handelt es sich um die ehemaligen Kingsway Exchange Tunnels – ein kilometerlanges Labyrinth unterirdischer Gänge, das sich fast 100 Meter unter den Straßen Londons befindet. Ursprünglich wurden sie gebaut, um den Londonern während des Blitzkriegs als Luftschutzbunker zu dienen, und in den späteren Phasen des Zweiten Weltkriegs wurden sie auch als Bunker für Spezialeinheiten genutzt.
Während des Kalten Krieges wurden die Tunnel als verdeckte Telefonzentrale genutzt (mit dem ersten transatlantischen Telefonkabel überhaupt). Sie sind also randvoll mit Geschichten und Geheimnissen. Und die Londoner könnten schon bald eingeladen werden, an der mysteriösen Aktion teilzuhaben und einen Drink in der (hoffentlich) tiefsten Bar des Vereinigten Königreichs zu nehmen.
Die Tunnel stehen schon seit langem leer, nachdem sie in den achtziger Jahren von BT übernommen und 2008 erneut zum Verkauf angeboten wurden. Jetzt wurden sie von The London Tunnels aufgekauft, die das Netzwerk unterirdischer Gänge in Londons nächste kulturelle Attraktion verwandeln wollen. Die Tunnel werden demnächst für 120 Millionen Pfund renoviert und sollen Anfang 2028 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Die London Tunnels haben sich für dieses Projekt mit den Architekturliebhabern von WilkinsonEyre zusammengetan. Gemeinsam wollen sie den stillgelegten Tunneln neues Leben einhauchen und ihnen einen neuen Sinn für die Öffentlichkeit verleihen. Mit einem Durchmesser von 25 Fuß (das entspricht der Größe von drei Londoner Bussen) und einer Fläche von rund 8000 Quadratmetern unter High Holborn gibt es sicherlich viel Platz.

Die Besucher sollen die Attraktion über Aufzüge mit umlaufenden LED-Bildschirmen betreten können. Die Tunnel werden mit riesigen Bildschirmen, interaktiven Strukturen und einigen Hightech-Elementen ausgestattet sein, die den Anblick, die Geräusche und die Gerüche der Tunnel aus der Kriegszeit nachempfinden und den Besuchern ein einzigartiges historisches Erlebnis bieten.
In den Tunneln befindet sich auch die tiefste Bar Großbritanniens, in der „geschüttelte, nicht gerührte“ Vesper Martinis serviert werden – eine Anspielung auf die Tatsache, dass Ian Fleming die Tunnel als Inspiration für den „Q-Zweig“ in seinen kultigen James-Bond-Romanen genutzt haben soll.
