Als großer Fan der Hauptstadt (und da ich mein ganzes Erwachsenenleben hier verbracht habe) kommt es ziemlich selten vor, dass ich auf einen Stadtteil von London stoße, über den ich so gut wie nichts weiß. Aber es kommt vor, Leute. Ein Winkel der Hauptstadt, über den ich bis vor kurzem kaum was wusste, ist Thamesmead. Dieser künstlich angelegte (und äußerst einzigartige) kleine Ort liegt im Südosten Londons, eingebettet zwischen Greenwich und Bexley, und wird gerade ziemlich stark saniert. Wenn du Interesse hast, erzähl ich dir gerne ein bisschen mehr darüber.
Thamesmead
Die Idee zu Thamesmead wurde in den 1960er Jahren vom Greater London Council als ziemlich futuristische „Stadt von morgen” und erster Versuch Großbritanniens, eine neue Stadt innerhalb einer Stadt zu bauen, entwickelt. Es entstand aus dem Bestreben heraus, die sozialen Wohnungsprobleme im Zentrum Londons zu lösen, und Ende der 1960er Jahre wurden viele Familien aus den Slums der Innenstadt nach Thamesmead umgesiedelt. Heute leben in Thamesmead rund 47.000 Menschen, und diese Zahl steigt rapide an.

Thamesmead ist definitiv anders als alle anderen Orte in der Stadt. Hier gibt’s 5 Seen, rund 240 Hektar Grünfläche und 7 km Kanäle. Es ist weit entfernt vom Chaos der Hauptstadt, mit einer überraschend ruhigen Atmosphäre und vielen malerischen und beschaulichen Orten, an denen man spazieren gehen, Rad fahren und die Natur genießen kann.
In Thamesmead gibt’s die Crossness Pumping Station (die schönste Kläranlage, die du je gesehen hast), und in der Gegend gibt’s auch eine ganze Reihe von kühnen, brutalistischen Gebäuden. Als die Stadt gegründet wurde, galt sie sogar als eines der kühnsten modernistischen Designs Großbritanniens. Die Gegend zieht seit langem Fotografen und Filmemacher an, und Thamesmead wurde endgültig bekannt, als einer seiner Wasserwege (der Southmere Lake) als Drehort für „A Clockwork Orange“ genutzt wurde.

Thamesmead hat zwar zweifellos seinen Reiz, ist aber als Londoner Stadtteil mit notorisch schlechter Verkehrsanbindung bekannt. Derzeit gibt es weder einen Bahnhof noch eine U-Bahn-Station, sodass die Bewohner auf Busse angewiesen sind, um in die nahe gelegenen Orte wie Abbey Wood, Woolwich Arsenal und Plumstead zu gelangen. Aber es ist nicht alles schlecht, denn TfL hat kürzlich bestätigt, dass die DLR bis nach Thamesmead verlängert wird und die Arbeiten dafür nächstes Jahr beginnen sollen. Neben der Verlängerung der DLR sollen in den kommenden Jahren 15.000 neue Wohnungen in der Gegend gebaut werden. Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Zukunft von Thamesmead aussehen wird.