Am Sonntag werden die Uhren zurückgestellt, was auf düstere Weise das offizielle Ende der britischen Sommerzeit und den Beginn der dunklen und trüben Jahreszeiten markiert. Aber während ihr sicher alle wisst, dass es die Sommerzeit gibt, wisst ihr vielleicht nicht so genau, wie und warum sie eigentlich entstanden ist. Also macht es euch bequem, Leute – denn es ist Zeit für eine geheime Geschichtsstunde über London.
Tatsächlich haben wir es einem Londoner zu verdanken, dass die Sommerzeit gesetzlich verankert wurde. William Willett war ein Bauunternehmer aus Chislehurst, der im Jahr 1905 an einem Sommermorgen einen Ausritt durch Petts Wood unternahm und bemerkte, wie viele Häuser ihre Vorhänge zugezogen hatten. Da kam ihm der Gedanke, dass es sinnvoll sein könnte, die Uhren vor Beginn jedes Sommers vorzustellen, um eine zusätzliche Stunde Zeit für Freizeitaktivitäten zu schaffen. 1907 verfasste Willett eine Broschüre, in der er sich für die Idee einsetzte, die Zeit im Frühling vorzustellen und im Herbst wieder zurückzustellen. Das würde den Leuten nicht nur den ganzen Sommer über eine zusätzliche Stunde am Morgen verschaffen, sondern auch die Beleuchtungskosten senken.
Sommerzeit rund um die Welt
Viele Leute schlossen sich der Idee an, darunter auch Winston Churchill und Arthur Conan Doyle. Doch während Willett die Zeit zweimal im Jahr schrittweise anpassen wollte, war es Conan Doyle, der vorschlug, sie um eine einzige Stunde zu verschieben. Ihr Gesetzentwurf scheiterte in den folgenden Jahren leider einige Male. Doch Willett war offensichtlich ein sehr entschlossener Kerl, denn er setzte seine Kampagne in ganz Großbritannien, Europa und sogar Amerika fort, bis er 1915 leider an der Grippe starb.
Nur ein Jahr später wurde das Gesetz schließlich verabschiedet, da Großbritannien während des Ersten Weltkriegs zunehmend unter Kohlemangel litt. Die Verantwortlichen erkannten, dass Willett vielleicht auf der richtigen Spur war und dass eine Zeitumstellung den Kohlebedarf senken würde. Deutschland war das erste Land, das das offizielle Gesetz zur Sommerzeit verabschiedete. Dies geschah am 30. April 1916, Großbritannien folgte kurz darauf am 17. Mai, und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Mittlerweile wenden etwa 70 Länder weltweit die Sommerzeit an – und das alles dank eines Londoners. Wer hätte das gedacht? William Willett wird in seiner Heimat durch einen Pub namens „The Daylight Inn“, eine Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus und eine Gedenksonnenuhr in Petts Wood geehrt – genau dort, wo alles begann.