Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man in weniger als zwei – wenn auch ziemlich spannungsgeladenen – Stunden eine ganze Reihe berüchtigter, Gänsehaut erzeugender Figuren aus der Geschichte kennenlernt. Aber in den London Dungeons ist das an der Tagesordnung: Bei diesem theatralischen Abstieg in die dunkle Vergangenheit begegnest du den berüchtigtsten Schurken, Verrätern und Mördern der Stadt.
Seit der Eröffnung im Jahr 1974 als Wachsfigurenausstellung hat sich diese legendäre Attraktion zu einem Rundgang entwickelt, der mit lebenden Schauspielern und hinterhältigen Nervenkitzel-Momenten makabre Szenen und die grausige Seite vergangener Zeiten zum Leben erweckt. Wenn du genug von Sonnenschein und fröhlichen Besichtigungstouren hast, kannst du dich in die schattigen Tiefen der Verliese wagen, um die folgenden elenden Seelen zu treffen…
Guy Fawkes

Erinnert ihr euch, erinnert ihr euch an den 5. November? Ich glaube, die meisten von uns tun das. Was die „Bösewichte“ der Geschichte angeht, bewegen wir uns hier also in einer Grauzone – bei Guy Fawkes kommt es vielleicht darauf an, wen man fragt. Er könnte ein mörderischer Verräter, ein verzweifelter Antiheld oder sogar nur der unglückliche Sündenbock sein. Letztendlich führte seine Beteiligung an der Verschwörung jedoch dazu, dass er gefangen genommen und in die von Ratten befallenen Verliese geschickt wurde, wo er ein schreckliches Ende fand – und genau dort wirst du ihn finden, oder zumindest eine Version von ihm. Die London Dungeons werfen ein flackerndes Kerzenlicht auf seine 10 Tage voller Folter und laden dich ein, zu erleben, was hätte passieren können, wenn die Zündschnur angezündet worden wäre und Guy Fawkes an jenem schicksalhaften Tag Erfolg gehabt hätte.
Elizabeth Sawyer

Ein paar Stationen später, nachdem du die Folterkammer überstanden und miterlebt hast, wie die Schwarze Pest die Massen befällt, wirst du zurück ins Jahr 1621 versetzt, um die „große Hexe von Edmonton“, Elizabeth Sawyer, kennenzulernen. Als Opfer von König James’ I. paranoider Besessenheit von Hexerei wurde Sawyer angeklagt, nachdem ein Nachbar plötzlich gestorben war, den sie Tage zuvor bedroht hatte, weil er ihr Schwein geschlagen hatte.
Während ihres vielbeachteten Prozesses wurde ihr Körper durchsucht und angeblich eine Markierung gefunden, die „darauf hindeutete, dass sie dem Teufel ihr Blut gab“. Überraschenderweise gestand sie später den Mord an ihrer Nachbarin und behauptete, sie werde oft von einem Dämon in Gestalt eines schwarzen Hundes heimgesucht, der sie dazu verführte, sich mit Satan zu verbünden. Nicht ganz so überraschend, wenn man den weit verbreiteten Aberglauben jener Zeit bedenkt, wurde sie für schuldig befunden und gehängt. Sei vorsichtig in den Verliesen, denn wie du bald feststellen wirst: Ob Hexe, Mörderin oder Unschuldige – mit Sawyer ist nicht zu spaßen.
Mrs. Lovett

Mit dem nächsten Ausflug begeben wir uns in die Welt der Fiktion. Du kommst in der Fleet Street an, um die rosige Mrs. Lovett und ihre nicht gerade verlockende Auswahl an berühmten Pasteten kennenzulernen. Bekannt als die gerissene Komplizin von Sweeney Todd, wurde die Figur erstmals in der viktorianischen Groschenroman-Serie „The String of Pearls“ erschaffen und seitdem von Schauspielerinnen wie Helena Bonham Carter, Patti LuPone und Christine Baranski in verschiedenen Adaptionen der Serienmörder-Geschichte zum Leben erweckt. Und falls du es irgendwie noch nicht weißt: In den London Dungeons wird die grausige Geheimzutat ihrer beliebten Pasteten enthüllt und du erfährst genau, warum es in ihrem Laden eine verdächtige Falltür gibt. Da kannst du niemanden „einfassen“.
Wolltest du schon lange mal einen Friseurtermin buchen? Mrs. Lovetts Assistentin zeigt dir den Weg zum Friseursalon. Der legendäre Penny-Dreadful-Bösewicht und die Londoner Stadtlegende Sweeney Todd hält sich während deines Besuchs vielleicht im Schatten, aber halte auf jeden Fall die Ohren offen.
Glücklicherweise handelt es sich bei der Figur – zumindest versichern uns das die Wissenschaftler – um eine fiktive Figur: Der Dämonenfriseur von der Fleet Street soll als makabrer Scherz entstanden sein, da Friseure im viktorianischen Zeitalter oft nebenbei auch als Chirurgen tätig waren. Es gibt allerdings auch Gerüchte, dass dieses Duo von einer französischen Erzählung aus dem 14. Jahrhundert inspiriert wurde, in der es um einen mörderischen Pariser Friseur und einen benachbarten Metzger mit einer Vorliebe für Fleischpasteten geht. Ob das nun wahr ist oder reine Spekulation, bleibt abzuwarten…
Jack the Ripper

Das wäre kein Spaziergang durch Londons makabere Vergangenheit, ohne eine der dunkelsten Figuren in der langen – und seien wir ehrlich: ohnehin schon ziemlich düsteren – Geschichte der Stadt. Nachdem du die Namen seiner armen Opfer erfahren hast, dich durch das gefährliche, nebelverhangene Labyrinth von Whitechapel gehetzt hast und im berühmten Ten Bells Pub Zuflucht vor einem Sturm gefunden hast, wird dir der Wirt des Pubs die schaurige Geschichte von Jack the Ripper erzählen. Die Identität des brutalen Serienmörders ist ein Rätsel, das die Menschen bis heute quält. Also, ich würde auf jeden Fall die Augen offen halten, denn man weiß ja nie, wer einen beobachtet.