Der Zugverkehr zwischen London und Europa steht vor einer weiteren Umwälzung, denn bis 2029 wird es auf der Strecke Paris-London einen weiteren ernsthaften neuen Konkurrenten für Eurostar und Virgin geben. Wenn alles nach Plan läuft, könnten durch den Kanaltunnel endlich mehrere konkurrierende Hochgeschwindigkeitsbetreiber direkte Züge zwischen dem Vereinigten Königreich und dem europäischen Festland auf einem der verkehrsreichsten Korridore des Kontinents verkehren.
Ein brandneuer Direktzug zwischen Großbritannien und Europa ist im Kommen
Die FS Group, Italiens staatlicher Eisenbahngigant, will über ihre Tochtergesellschaft Trenitalia France bis 2029 eine neue Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen London und Paris einrichten. Der Schritt ist Teil einer breit angelegten, milliardenschweren europäischen Expansion, mit der sich das Unternehmen über die Grenzen Italiens hinaus als wichtiger Akteur positionieren will.
Die geplante Verbindung London-Paris ist Teil des Strategieplans 2025-2029 der FS-Gruppe, in dem rund 1 Milliarde Euro für neue Hochgeschwindigkeitsverbindungen in ganz Europa vorgesehen sind. Das Vereinigte Königreich wäre nach Italien, Frankreich und Spanien das vierte Land, in dem Trenitalia Hochgeschwindigkeitszüge betreibt.
Im Gegensatz zu Virgin verlor die FS-Gruppe ihre Bewerbung um den Zugang zum Depot Temple Mills International im Osten Londons, der einzigen britischen Anlage, die derzeit für die Abfertigung von Hochgeschwindigkeitszügen mit kontinentaler Länge ausgerüstet ist. Anstatt seine Ambitionen aufzugeben, verlagert der Betreiber seinen Standort einfach auf die andere Seite des Ärmelkanals.
Die FS-Gruppe plant den Bau einer neuen, 87 Millionen Pfund teuren Wartungsanlage in der Nähe von Paris, die eine Flotte von etwa 10 Hochgeschwindigkeitszügen aufnehmen kann.
Nur ein Zug, die erste Abfahrt von St. Pancras, müsste über Nacht im Vereinigten Königreich bleiben, was die Abhängigkeit von den knappen britischen Depotkapazitäten verringert.
Die Herausforderung für Eurostar und Virgin
Der Kanaltunnel wird derzeit nur mit etwa der Hälfte seiner potenziellen Kapazität betrieben, so dass neben den langjährigen Eurostar-Diensten und den ab 2030 geplanten neuen Zügen von Virgin Platz für weitere Betreiber bleibt. Die FS Group will ganz klar der erste Anbieter sein, bevor Virgin die ersten Passagiere durch den Tunnel befördert.
Virgin hat die behördliche Genehmigung für Temple Mills erhalten und strebt einen Start im Jahr 2030 an, womit das 30-jährige Beinahe-Monopol von Eurostar beendet wäre. Die FS Group strebt das Jahr 2029 an und will bis zu zehn tägliche Hin- und Rückfahrten zwischen London und Paris mit Hochgeschwindigkeitszügen der neuen Generation, ähnlich der italienischen Frecciarossa-Flotte, durchführen.
Alle Pläne für Zugverbindungen zwischen Großbritannien und Europa in Vorbereitung
Eurostar ist bereits in Betrieb und nutzt das bestehende Depot in Temple Mills für seine Verbindungen von London nach Paris, Brüssel und die geplanten Erweiterungen nach Deutschland und darüber hinaus. Virgin will um das Jahr 2030 den Betrieb aufnehmen und den neuen Anschluss Temple Mills im Osten Londons nutzen, um neue Hochgeschwindigkeitszüge durch den Kanaltunnel zum europäischen Festland zu führen. Die FS Group will über Trenitalia bis 2029 ein neues, 87 Millionen Pfund teures Depot in der Nähe von Paris errichten, um ihre Hochgeschwindigkeitsflotte dort zu stationieren und eine direkte Verbindung zwischen Paris und London zu schaffen, die auch grenzüberschreitend genutzt werden soll.
Es gibt noch Hürden, von der Sicherheit des Kanaltunnels und der Genehmigung des rollenden Materials bis hin zu kommerziellen Vereinbarungen und Grenzkontrollen, aber die Richtung ist klar: Die Karte der Bahnverbindung zwischen London und Europa wird bald viel interessanter werden. Wenn die FS Group ihr Ziel für 2029 erreicht, könnten die Fahrgäste zwischen St. Pancras und Gare du Nord mit Zügen italienischer Bauart fahren, noch bevor Virgin aus den Startlöchern kommt.