Die Fluggesellschaften haben mehr als 13.000 für Mai geplante Flüge gestrichen, was vor den bevorstehenden Schulferien neue Sorgen über Reiseausfälle auslöst.
Neue Daten des Luftfahrt-Analyseunternehmens Cirium zeigen, dass Fluggesellschaften in nur zwei Wochen fast zwei Millionen Sitzplätze aus ihren Flugplänen gestrichen haben, da die Branche mit knappen Kerosinvorräten zu kämpfen hat.
Neben kompletten Flugausfällen setzen viele Fluggesellschaften auf wichtigen Strecken auch kleinere Flugzeuge ein, um Treibstoff zu sparen.
Fluggesellschaften haben während der Maiferien mehr als 13.000 Flüge gestrichen
Die Kürzungen erfolgen vor dem Hintergrund einer sich abzeichnenden Treibstoffkrise in ganz Europa und Großbritannien, die durch geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt ausgelöst wurde.
Die Sperrung der Straße von Hormus, einer wichtigen Verkehrsader für den weltweiten Öltransport, hat rund 20 Prozent der Versorgung unterbrochen und die Preise für Flugbenzin stark in die Höhe getrieben.
Familien, die für Ende dieses Monats einen Kurzurlaub planen, gehören zu den am stärksten Betroffenen, da bei großen Fluggesellschaften wie British Airways, Lufthansa, Air France und Turkish Airlines mit weitreichenden Beeinträchtigungen zu rechnen ist.
Die Fluggesellschaften kürzen bereits ihre Flugpläne auf weniger rentablen Strecken, während sie den Flugbetrieb auf stark frequentierten Strecken, auf denen die Preise stark gestiegen sind, aufrechterhalten.
Lufthansa hat in diesem Sommer rund 20.000 Kurzstreckenflüge gestrichen
Lufthansa hat bisher einige der drastischsten Maßnahmen ergriffen und rund 20.000 Kurzstreckenflüge aus ihrem Sommerflugplan gestrichen.
Weitere Beeinträchtigungen könnten bevorstehen. Die britische Regierung hat die sogenannten „Use-it-or-lose-it“-Regeln für Flughafen-Slots vorübergehend ausgesetzt, sodass Fluggesellschaften Flüge streichen können, ohne den Verlust wertvoller Start- und Landerechte zu riskieren.
Der Schritt soll den Fluggesellschaften Flexibilität verschaffen, öffnet aber auch die Tür für tiefere Einschnitte in den kommenden Wochen.
Zwar konnten sich viele britische Fluggesellschaften kurzfristig durch Treibstoff-Hedging absichern – also durch die Festschreibung von Preisen im Voraus –, doch diese Schutzmaßnahmen beginnen nun nachzulassen. Mit dem Auslaufen der Verträge werden die Betreiber zunehmend den schwankenden Marktpreisen ausgesetzt sein.
Großbritannien hat zudem einen strukturellen Nachteil. Angesichts begrenzter heimischer Raffineriekapazitäten und einer starken Abhängigkeit von importiertem Treibstoff warnen Analysten, dass das Vereinigte Königreich besonders anfällig für Engpässe ist.
Goldman Sachs hat auf ein „erhebliches Risiko“ einer Kerosinrationierung in diesem Sommer hingewiesen und dabei die Abhängigkeit des Landes von Lieferungen aus Übersee betont.
Die Notreserven sind nach wie vor relativ gering. Ende 2025 verfügte Großbritannien über rund eine Million Tonnen Kerosin, ein Bruchteil der jährlich verbrauchten rund 12 Millionen Tonnen.
Als Reaktion darauf hat Energieminister Michael Shanks die Raffinerien angewiesen, die Produktion von Flugbenzin im Rahmen der Notfallplanung zu maximieren.
Branchenbeobachter warnen jedoch, dass sich die Versorgungsengpässe noch weiter verschärfen könnten, sollten die geopolitischen Turbulenzen anhalten.
Zwei Millionen Flugplätze gestrichen wegen explodierender Kerosinpreise
Weltweit zeigt die Kapazität der Fluggesellschaften bereits Anzeichen einer Überlastung. Die Gesamtzahl der verfügbaren Sitzplätze für Mai ist laut Zahlen von Cirium von 132 Millionen Mitte April auf 130 Millionen bis zum Monatsende gesunken.
Für Reisende dürften die Auswirkungen ungleichmäßig, aber erheblich sein. Strecken mit mehreren täglichen Abflügen werden voraussichtlich am stärksten von den Streichungen betroffen sein, da die Fluggesellschaften vorrangig darauf setzen, die Passagiere auf weniger Flüge zu konzentrieren.
Viele Urlauber müssen sich möglicherweise auf Umbuchungen, kürzere Reisen oder in manchen Fällen sogar auf komplett gestrichene Pläne einstellen.