Ein mysteriöses neues Banksy-Wandbild ist im Westen London gerade rechtzeitig für Weihnachten aufgetaucht und hat in der Hauptstadt sowohl Aufregung als auch Spekulationen ausgelöst.
Das Kunstwerk, das der schwer fassbare Straßenkünstler am Montagnachmittag auf seinem offiziellen Instagram-Account bestätigte, zeigt zwei Kinder, die auf dem Rücken liegen und in den Himmel blicken. Es befindet sich über einer Reihe von Garagen in den Queen’s Mews in Bayswater und steht mit seiner unauffälligen Lage im Kontrast zu der festlichen Energie der Stadt um es herum.
Aber die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Ein zweites, identisches Bild erschien letzten Freitag vor dem Centre Point, dem Wahrzeichen in der Nähe der Tottenham Court Road. Im Gegensatz zur Bayswater-Version wurde dieses zweite Wandbild noch nicht von Banksy oder seinen Vertretern authentifiziert, obwohl viele glauben, dass die Botschaft klar genug ist.
Der Künstler Daniel Lloyd-Morgan meinte in einem Gespräch mit der BBC, dass die Version am Centre Point eine tiefere soziale Botschaft vermittelt. „Es gibt viele Kinder, denen es an Weihnachten nicht gut geht“, sagte er. „Die Leute gehen an Obdachlosen vorbei und sehen sie nicht auf der Straße liegen – es ist ergreifend, dass die Kinder nach oben schauen, vielleicht nach dem Nordstern“.
Centre Point ist seit langem ein Symbol für die Ungleichheit im Wohnungswesen in London. Das 1966 fertig gestellte Gebäude stand mehr als ein Jahrzehnt lang leer, bevor es zum Symbol für die Obdachlosenkrise in der Stadt wurde. Die Wohltätigkeitsorganisation Centrepoint, die obdachlose Jugendliche unterstützt, hat sich nach dem Gebäude benannt – eine Anspielung auf das, was der Gründer, Pfarrer Ken Leech, einmal als „einen Affront gegen die Obdachlosen“ bezeichnete. Heute ist der Turm in millionenschwere Wohnungen umgewandelt worden.
Der Banksy-Experte Jason Tomkins glaubt, dass das Wandgemälde eine bekannte Figur aus der Vergangenheit des Künstlers wieder aufgreift. Er sagte der BBC, er vermute, dass es sich bei dem abgebildeten kleinen Jungen um denselben handelt, der auch auf Banksys 2018 entstandenem Werk in Port Talbot zu sehen war, das ein Kind zeigte, das Schneeflocken auffing, die sich als Asche eines brennenden Mülleimers herausstellten.
„Das ist ziemlich ungewöhnlich für ihn“, sagte Tomkins. „Er hat noch nie eine seiner Figuren wiederverwendet. Es könnte darauf hindeuten, dass die Botschaft, die er vermitteln will, ungelöst ist – eine Erinnerung daran, dass sich nichts geändert hat.“
Während Banksy in seinem Instagram-Post bestätigt, dass er hinter dem Bayswater-Wandbild steckt, hat er bezeichnenderweise keine Bildunterschrift, keine Erklärung und keinen Kommentar zu der Centre Point-Version abgegeben. Doch in einer Jahreszeit, die sowohl von Feierlichkeiten als auch von krasser Ungleichheit geprägt ist, lädt sein Werk die Londoner wieder einmal dazu ein, ihre Umgebung und einander genauer zu betrachten.