Versteckt in Windsors belebter High Street, nur eine kurze Zugfahrt von London entfernt, steht ein dreistöckiges Gebäude mit Erkerfenstern, das so dramatisch schief steht, dass es aussieht, als könnte es jeden Moment umkippen.
Englands ältestes Teehaus, gleich vor den Toren Londons
Dieses als „Crooked House of Windsor“ (oder „Market Cross House“) bekannte, unter Denkmalschutz (Grade II) stehende Gebäude wird weithin als Englands ältestes Teehaus bezeichnet – ein skurriles, viel fotografiertes Wahrzeichen, dessen Geschichte bis ins späte 17. Jahrhundert zurückreicht.
Ein Ursprung im 17. Jahrhundert mit einer ganz krummen Wendung

Das Gebäude an dieser Stelle stammt aus dem späten 16. Jahrhundert, doch die heutige „schiefe“ Struktur wurde um 1687 wieder aufgebaut, nachdem das ursprüngliche „Market Cross House“ abgerissen worden war, um Platz für die benachbarte Guildhall zu schaffen, die von Sir Christopher Wren entworfen wurde.
Eine lokale Legende (und mehrere Reiseberichte) besagen, dass die Stadtverwaltung es so kostengünstig und schnell wie möglich aus ungetrocknetem, grünem Eichenholz wiederaufgebaut hat; als das Holz trocknete, verzog es sich und wölbte sich, was dem Haus seine charakteristische Schräge verlieh.
Eine alternative Erklärung besagt, dass das Gebäude relativ gerade stand, solange es von angrenzenden Häusern gestützt wurde, und sich erst merklich zu verziehen begann, nachdem diese Stützen in den 1820er Jahren entfernt wurden.
So oder so, das Ergebnis ist dasselbe: ein Bauwerk, das heute „in einer unglaublichen Schräglage“ steht, dessen Rahmen sichtbar verzogen ist und dessen Böden und Fenster deutlich aus dem Lot geraten sind.
Von der Metzgerei zum Teehaus (und darüber hinaus)

Bevor es als Teehaus berühmt wurde, diente das „Crooked House“ einer Reihe ganz unterschiedlicher Zwecke. Ursprünglich am Rande des Marktplatzes von Windsor erbaut, wurde es zunächst von einem Metzger gemietet, als das Gebiet noch als Fleischmarkt der Stadt diente. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es außerdem genutzt als:
- Eine Bierstube (das „Royal Standard“) in der späten viktorianischen Zeit
- Ein Blumenladen in den 1960er Jahren
- In den letzten Jahrzehnten ein Antiquitätengeschäft, Souvenirladen und Juwelier
- Seit vielen Jahren ein Teesalon bzw. Teehaus, das sich den Titel „ältestes Teehaus Englands“ verdient hat
Jüngsten Berichten zufolge hat der Betrieb des Teehauses im Laufe der Zeit mehrfach den Besitzer gewechselt und verschiedene Konzepte durchlaufen – mal wurde es als Café, Weinbar oder Treffpunkt für die Gemeinde beschrieben –, doch die Identität des Gebäudes als traditionsreicher Ort der Gastlichkeit bleibt ein zentraler Bestandteil seiner Geschichte.
Königliche Verbindungen und ein Geheimgang
Eine der berühmtesten Geschichten rund um das „Crooked House“ handelt von einem mittlerweile verschlossenen Geheimgang, der das Gebäude angeblich mit Windsor Castle verbinden soll.
Der lokalen Überlieferung zufolge ermöglichte der Tunnel die direkte Lieferung von Marktwaren in die Schlossküchen unterhalb der ehemaligen Metzgerei.
Eine romantischere Version besagt, dass der Durchgang von König Charles II. für heimliche Treffen mit seiner Geliebten, der Schauspielerin Nell Gwynn – „Pretty, witty Nell“, einer seiner bekanntesten Partnerinnen – genutzt wurde.
Ob der Tunnel nun jemals in dieser Form existiert hat oder nicht – die Geschichte verleiht dem ohnehin schon charaktervollen Gebäude eine zusätzliche Note von Intrige aus der Stuart-Ära.
Auch wenn sich die genaue Nutzung des Gebäudes in den letzten Jahren gewandelt hat – vom Teehaus über ein Juweliergeschäft bis hin zu Café- und Bar-Konzepten –, bleibt das „Crooked House“ eine bekannte Adresse in der High Street 51 in Windsor.